Wie lange dauert ein Krieg eigentlich wirklich?


Der Luftkrieg

Der Luftkrieg kostete in Deutschland etwa 600.000 Zivilisten ihr Leben. Die völkerrechtliche Bewertung von Luftangriffen auf Städte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ist umstritten.

Der Krieg erreicht die Heimat

“Viele Leute sagen, der Krieg könne nicht durch Bomben gewonnen werden. Meine Antwort ist, dass man es bisher auch noch nicht versucht hat. Wir werden es erleben.“

 

(Der britische Luftmarschall Arthur Harries,1942)

Anfang 1943 befand sich das Dritte Reich seit 3 ½ Jahren im Krieg. Die Verluste und Schäden machten sich auch im Alltag der Bevölkerung immer massiver bemerkbar. Am 18. Februar 1943 hielt Goebbels seine vermutlich berühmteste und berüchtigte Rede im Berliner Sportpalast: Wollt Ihr den totalen Krieg? Wollt Ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?“. Das vierte Kriegsjahr verhieß auch schon deshalb nichts Gutes, weil nun auch die USAF viel nachhaltiger und zielgerichteter in den Luftkrieg eingriff. Die Amerikaner hatten im Laufe des Jahres 1942 zunächst versucht, hinreichend starke und ausgebildete Verbände in Europa zu sammeln. Die US-Luftwaffe bereitete ihren Eintritt in den Bombenkrieg über Deutschland fast wissenschaftlich vor. 

Das Kriegsziel der amerikanischen USAF unterschied sich wesentlich vom dem der britischen RAF, denn erste Priorität hatte die Verringerung des deutschen Kriegspotentials um die geplante Invasion so wenig verlustreich wie möglich zu gestalten. Die Tagangriffe der USAF lassen sich auch aufgrund des demonstrierten Selbstbewußtseins der Amerikaner erklären. Was die Flugzeugbesatzungen über Deutschland tatsächlich erwartete, die Flakhölle, war wohl den wenigsten jungen Männern wirklich bewußt. Die RAF setzte auf die Demoralisierung der deutschen Bevölkerung durch Vernichtung der Innenstädte. Die USAF flog Tagangriffe mit dem Versuch präziser Zielerreichung, die RAF meist Nachtangrifffe. Die Befehlshaber beider Luftstreitkräfte waren sich im Zuge der Konferenz von Casablanca (14. Januar bis 25. Januar) einig, den Bombenkrieg mit allen Mitteln zu verschärfen „Casablanca Directive“ oder „Pointblank“ (Fangschuß). Diese Direktive war das Todesurteil für viele deutsche Städte.

US Bomber im Anflug auf das Reichsgebiet

b-17_flying_fortress

Die deutsche bodengestütze Luftabwehr war 1943 die größte Flakarmee der Welt. Trotzdem stand sie ab 1943 auf verlorenem Posten. Mit den massierten Bomberangriffe auf deutsche Städte erreichte „der totale Krieg“ nun uneingeschränkt das Heimatgebiet des Deutschen Reiches. Ab März 1944 hatten die Alliierten die uneingeschränkte Luftherrschaft über Deutschland. Strategisch bedeutsam waren die Bombardements auf das Verkehrsnetz und die Treibstoffversorgung.

Heilbronn 1945

Scanned from Heilbronn aus der Vogelschau. Jahrbuch Verlag, Weinsberg 1991 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, 32). Source given there: US-Forces

Es entsprach dem ausdrücklichen Entschluss die Bevölkerung gezielt in die Kriegsführung einzubeziehen. Die Luftangriffe  der RAF wurden so geplant, dass eine möglichst hohe Anzahl Menschen ums Leben kam. Man wollte die Moral der Bevölkerung brechen und das Vertrauen in Hitler untergraben. Dieses „moral bombing“ sah den Einsatz von Spreng-, Brand- und Phosphorbomben im wechselden Einsatz vor. Die verheerende Brandwirkung der sogenannten „Feuerstürme“ über deutschen Städten wurde dabei von englischer Seite als besonderer Erfolg gewertet.

Für die Bevölkerung bedeuteten die todbringenden Luftangriffe endlose Nächte in Bunkern, Schutzräumen und Kellern. Zehntausende Menschen erstickten in ihren verstecken oder verbrannten im Feuersturm. Am Ende des Krieges glichen viele deutsche Städte Mondlandschaften. Historisch gewachsene Stadtbilder, mit ihren materiellen und kulturellen Werten, gingen verloren. Dresden, Hamburg, Würzburg … die Liste liesse sich lange fortsetzen.

Die zweiteilige ZDF-Serie „Der Feuersturm“ ist eine hervorragende Zusammenfassung über den Luftkrieg. Zu Wort kommen Zivilisten. Flakhelfer, ehemalige alliierte Bomberpiloten. Die Bilder sind beeindruckend.



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